5. Spieltag – Rhein-Main-Liga in Babenhausen

Babenhausen – Hünstetten ca. 12:0
Hünstetten – Wiesbaden 4:0
Wiesbaden – Babenhausen 19:17

BABENHAUSEN. Links des Rheins gab es bis vor kurzem einen weisen Mann, der gesagt hat: Jeden Gegner kann man an einem bestimmten Tag schlagen, und man kann selbst bestimmen, wann dieser Tag ist. Yeah, Kloppo, so geht zwar eigentlich Fußball, aber auf Softball kann man diesen Leitsatz ruhig auch mal anwenden.
„Wie stehen unsere Chancen?“ hat der Neuling hinzus gefragt. „Hünstetten können wir schlagen, wenn wir gut sind“, hieß es. „Babenhausen normal nicht.“ Sah also eher nach Doppelniederlage aus, nach dem 0:4 gegen Hünstetten. 0:3 im ersten Inning, anschließend mit dem Pitcher und dem Wind nicht zurechtgekommen. Und man kann noch nicht mal so tun, als wäre es unverdient gewesen, als hätte Hünstetten durch Zufall gewonnen. War nämlich nicht so.
Und Babenhausen hatte vorher Hünstetten schön gründlich zerlegt, viele Bälle schön platziert in die Lücken zwischen In- und Outfield gesetzt, und dieser Satz kommt mir gerade so bekannt vor, weil ich ihn fast wörtlich vor den Spielen schonmal geschrieben habe. Und zwar in die Zeitung, bzgl. der Playoffspiele zwischen Solingen und Mainz, wo die Solingen Alligators auch einfach eine ganze Klasse besser gespielt haben.
Prompt steht es nach einem halben Inning 0:4 gegen uns. Lassen wir das besser? Nö. Nach einem ganzen Inning steht es nämlich 4:4, und man sieht: Diesen Pitcher kann man knacken. Babenhausen legt zwar noch zwei Runs nach, Flyers-Leadoff-Hitter cka kann immer noch nicht schlagen, muss unter seinem eigenen Infield-Aufsetzer durchtauchen und geht direkt mal aus, aber viel später greift plötzlich die 5-Run-Rule. 9:6 nach zwei Innings, einfach mal so. Am Himmel drehen Kunstflieger ihre Runden, Wolken behaupten dahinter, sie hätten einen schönen soliden Landregen dabei, führen ihn aber nicht vor, und Babenhausens Pitcher wird unsicher. Wirft Balls, serviert Hits, hat aber eine Offensive, die ihn nicht im Stich lässt. Das Ergebnis steigt gemeinsam mit den Flugzeugen in ungeahnte Höhen, bleibt aber knapp. Eng. Pitcherwechsel bei beiden. Babenhausen ballert die Bälle weg. Die Flyers halten dagegen mit sehr diszipliniertem, sehr klugem Baserunning. Keiner rennt blind ins Verderben.
Längst ist ein brodelndes, hitziges Spiel daraus geworden. Eine Achterbahn, bei der mal dieses, mal jenes Team führt, auf beiden Seiten mehr als einmal nicht das dritte Aus, sondern der fünfte Run ein Inning beendet. Aber auch ein Pokerspiel. Der Wind weht die Pitches eh sonstwo hin. Die Teams merken das. Zocken am Schlag, spekulieren, hauen nicht blind auf alles. Gewürzt wird das alles durch die eine oder andere unübersichtliche Szene, den einen oder anderen umstrittenen Call der Hünstettener Umpires, die eine oder andere Diskussion. „Die Dosis macht das Gift“, sagt Paracelsus. Die Dosis ist niedrig genug. Die Partie hangelt sich gar nicht mal so weit weg an der Grenze zur Eskalation entlang, bleibt aber fair, freundlich.
Am Zaun neben der First Base haben sich einige Hünstettener Spieler versammelt. Beobachten das Spektakel, sind fasziniert von einem packenden, niveauvollen Duell, bei dem kein Team das andere entscheidend abhängen kann. Es geht ins letzte Inning. Mit einer 7-Runs-Angriffsphase sind die Flyers auf 16:12 davongezogen, aber Babenhausen kontert mit seinem letzten Schlagrecht. Bases loaded. Zu wenige Aus. Noch eine sehr umstrittene Szene: Hat der Runner zur Eins den direkten Weg verlassen? War er weit genug von der Base weg, um aus zu sein? Nein, sagen die Umpires. Der Basecoach im Dugout wird nervös. Bleib ruhig! Das Ding bringen wir heim!
„Jetzt, meine Herren, wird es psychologisch!“ sagt der Kaleu, als sich „Das Boot“ schwer lädiert an Gibraltar vorbeischleichen muss, wo oben alles voller Zerstörer ist. Jetzt wird es psychologisch. Jetzt kommt es darauf an, welcher Pitcher die stärkeren Nerven hat, welches Team am Schlag die größere Geduld hat, wer das Glück auf seiner Seite hat.
Zunächst Babenhausen. Die führen beim letzten Wechsel 17:16. Aber ein letztes Mal sind die Flyers noch am Schlag. Ein Run, und wir haben die Verlängerung. Zwei Runs, und wir haben gewonnen.
Und jetzt sind wir wieder bei der Deutschen Meisterschaft. Mainz gegen Solingen. cka hat im Hinspiel gelernt, was „Rally Cap“ bedeutet, und wie das funktioniert. Baseball ist ein Angebersport, das ist nichts Neues. Wenn man aber im letzten Inning noch den einen oder anderen Run gut brauchen könnte, tauscht man ein bisschen eigenen Stolz ein gegen ein bisschen Glück fürs Team. Das hat man jedenfalls 1945 in Detroit so festgelegt, als die Tigers gegen die Chicago Cubs gewinnen mussten. Wer’s nachmachen will: Kappen umstülpen. Innenseite nach außen. Sieht albern aus, aber bei den A’s hat das wunderbar geklappt gegen Solingen. Und nun? Babenhausen hat zwar vorgelegt, aber dieses Spiel verlieren? No way! Jeden Gegner kann man an einem bestimmten Tag schlagen, sagt Kloppo, und dieser Tag ist heute!
Leadoff Hitter Jogi hat seinen Visor verkehrtherum auf und sieht aus wie Captain Jack Sparrow. Ob er einen Hit geschafft hat, weiß ich gar nicht mehr, weil ich die Scoresheets nicht hier habe. Bine schwingt wie die Mainzer. Und etwas später sind die Bases wieder alle besetzt. Olaf kommt an den Schlag. Aus dem Dugout wird bei ihm ein Walkoff-Homerun bestellt. Den schafft er nicht, aber den Runner zum 17:17 bringt er heim. Und wo Don anschließend den Ball hinfeuert, geht im Trubel ein bisschen unter, aber nach dem Schlag steht es 19:17 und das Spiel ist vorbei.
Für die Flyers in Babenhausen:
Andy (P, 1st), Bine (2nd), Don (SS), Holger (RC), Jana (3rd), Jogi (RF, 1st), Jörg (RF), Markus (1st), Olaf (LC, P), Sandy (C), Thomas (LF), Ulli (RC, C) und der Protokoller cka (RF).
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